Vitamin B8 (Inositol)
Wichtig: “Vitamin B8” ist eine veraltete und mehrdeutige Bezeichnung. Heute wird der Stoff nicht mehr als klassisches Vitamin eingestuft, da der Körper ihn selbst aus Glukose synthetisieren kann. Es gilt als vitaminähnlicher Nährstoff. In der älteren Literatur wurde manchmal auch Biotin (B7) als B8 bezeichnet, was zu Verwirrung führt.
Wichtigste Funktionen im Stoffwechsel:
- Zellmembran-Bestandteil: Inositol ist ein wichtiger Baustein von Phospholipiden (als Phosphatidylinositol) in allen Zellmembranen und ist entscheidend für deren Struktur und Funktionalität.
- Zell-Signaltransduktion: Das daraus abgeleitete Inositoltrisphosphat (IP3) ist ein lebenswichtiger second messenger. Es vermittelt die Wirkung zahlreicher Hormone (z.B. Insulin) und Neurotransmitter, indem es die Freisetzung von Kalzium aus dem Zellspeicher steuert.
- Fettstoffwechsel: Unterstützt den Transport und Abbau von Fetten in der Leber und kann einer Verfettung entgegenwirken.
- Nervensystem: Wirkt als beruhigender Neurotransmitter-Modulator (oft mit Serotonin-System verbunden) und spielt eine Rolle bei der Nervenleitung.
- Insulinsensitivität: Beteiligt an der Insulinsignalweiterleitung.
Vorkommen in natürlicher Form:
Inositol kommt in vielen Lebensmitteln vor, besonders in pflanzlicher Kost.
- Hülsenfrüchte: Bohnen, Linsen, Kichererbsen.
- Vollkornprodukte & Kleie: Haferkleie, Weizenkeime, Vollkornbrot.
- Nüsse und Samen: Erdnüsse, Cashewkerne, Sesamsamen, Leinsamen.
- Zitrusfrüchte (v.a. Orangen, Grapefruits) und Melonen.
- Fleisch und Innereien (v.a. Leber), allerdings in geringerer Menge.
Besonderheiten:
- Der Körper produziert mehrere Gramm pro Tag selbst. Der Status als “essentieller Nährstoff” ist daher umstritten.
- Therapeutisch wird Myo-Inositol (die häufigste Form) in hohen Dosen u.a. bei psychischen Störungen (Angst, Depression, Zwangsstörungen), polyzystischem Ovarialsyndrom (PCOS) und zur Unterstützung der Lungenreife bei Frühgeburten eingesetzt.
